Wie das Ausland über unsere StreetView Debatte denkt…

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In der letzten Zeit möchte man es fast nicht mehr hören: Die Debatte um StreetView ist nun wirklich omnipräsent.

Wenn man ein wenig objektiv an die Sache herangeht, kann man alle Seiten irgendwie nachvollziehen, freilich kann man sich Szenarios ausdenken in denen der leichte Zugriff auf eine Straßenansicht eines Hauses in weniger als einer halben Minute Nachteile für einen mit sich bringen kann. Ob das nun der potentielle Arbeitgeber ist, der sich interessiert in welcher Gegend der Bewerber wohnt oder ein Einbrecher der eine Wohngegend auslotet. Möglicherweise hat der eine oder andere auch Angst, dass sein Bild veröffentlicht wird, wie er biertrinkend im Planschbecken der Kinder sitzt und dabei Zigarre raucht. Verständlich :) Auch wenn das Gesicht verpixelt wird, ist er möglicherweise an der Glatze und am Bierbauch zu erkennen. (Die Personen, die sich angesprochen fühlen, möchte ich nicht kritisieren, an einem heißen Sommertag ist das möglicherweise eine gute Möglichkeit sich abzukühlen. Allerdings muss das ja niemand mitbekommen.) Wie wahrscheinlich das eine oder andre Szenario ist, tut dabei kaum etwas zur Sache, wir Deutschen haben bei so etwas meist eine eher negative Grundeinstellung.

Aber eins ist scheinbar jetzt schon sicher: Leute die Widerspruch einlegen dürfen sich auf den Streisand-Effekt vorbereiten. Und das sogar in mehrfacher Ausführung. Schon vor dem Start von Street View hat sich eine Geschichte verbreitet ein Strohfeuer.

Und Pro?

Aber auch dem einen oder anderen Kritiker werden die Vorteile von StreetView auffallen: Wenn man eine Stadt besucht und wissen möchte, was in der näheren Umgebung seines Hotels für Geschäfte oder Restaurants vorhanden sind. Freilich geht das auch mit Google Maps oder jedem anderen Routenplaner mit Zusatzinformationen, allerdings ist natürlich der Wiedererkennungswert nicht so groß. Man kann auch quasi seinen Bummel durch Paris online am Rechner planen. Oder man lotet eine Wohngegend aus, informiert sich über Parkplätze und Einkaufsmöglichkeiten, oder versucht etwas über die Nachbarn herauszufinden. Das ganze geht natürlich auch, wenn man einfach vorbeifährt, allerdings ist der Mensch a) von Natur aus faul und b) schließt diese drei Minuten Informationsbeschaffungen Wohnungen bereits im Vorfeld aus, die den Weg nicht lohnen. Immobilienanbieter werden sich überlegen ob sie ihre Exposés mit StreetView verlinken. Auch weil die SV-Bilder bereits einige Jahre alt sind und sich vielleicht die Situation verbessert hat. (Baustellen fallen weg, Nachbarhäuser wurden renoviert, Bahnstrecke wurde stillgelegt, …;)

Die Politiker, denen die Debatte im Sommerloch gerade recht kommt, kann man auch mal außen vor lassen, ähnliche Dienste (wenn auch nicht in diesem Umfang) gibt es ja schon länger. Aber Google ist natürlich jedem Wähler ein Begriff, da kann man politisch ansetzen.

Persönlich bin ich kein großer Fan von Google, vor allem weil man ja immer noch keine Ahnung hat, was mit den zusammengetragenen Daten passiert. Wenn Eric Schmidt auf die Idee kommt, jeder soll bei Volljährigkeit seinen Namen ändern, um die Jugendsünden im Netz zu egalisieren, lautet sein Vorschlag für StreetView bestimmt: Haus abreißen und neu aufbauen, nachdem das Street View Auto mal wieder durch die Stadt gefahren ist.

Wie wäre es nun, wenn Millionen Deutsche Widerspruch einlegen? Zum einen ein gewaltiger Schlag für Google, aber wohl auch ein immenser Schaden für den Internetstandort Deutschland. Komisches Wort: Internetstandort.  Irgendwie unsinnig, gemeint ist die Internetzielgruppe Deutschland.

Wie bewertet das Ausland die Diskussion?

“Germany is especially sensitive to privacy issues due to grievous abuses by the Nazis and East German communists in the past.”

Irgendwie scheint mir diese Argumentation zu einfach, unsere Bedenken bezüglich der Privatsphäre allein auf unsere Historie zurückzuführen.

[... ] “Ulf Poschard sagt zum Anti-Street-View-Protest in der „Welt“ vom vergangenen Donnerstag jedenfalls: „Der deutsche Irrationalismus ist zurück.“ Die Aufgeregtheit der Diskussion erinnere an „längst überwunden geglaubte Selbstbilder der Deutschen, die moderner Technik misstrauen und hinter jedem amerikanischen Großkonzern den Emissär einer Weltverschwörung sehen“ [...]

Haben wir wirklich Angst vor der Technik? Für die Netzgemeinde trifft das wohl eher nicht zu, wohl aber für die unsere bekannten Street View Gegner aus Düsseldorf. Und fürchten wir eine Weltverschwörung? Google schickt das Street View Auto um die ganze Welt, da darf Deutschland freilich nicht außen vor bleiben.

“Insbesondere der US-Geheimdienst ist an den von Google gelieferten Daten interessiert um diese für eigene Zwecke zu nutzen. Der Verdacht einer geplanten Zusammenarbeit ist nicht unbegründet.”

… und erklärt uns haarklein wie wir Widerspruch einlegen. Ganz klar: Die Schweizer wollen ihren Vorteil aus unserer Angst ziehen und ihre Position im deutschsprachigen Raum stärken. :D

Vielleicht ist das ungewöhnliche an Street View auch der Fakt, dass man sich quasi abmelden muss, für einen Dienst, für den man sich nie angemeldet hat.

Weiterer Lesestoff

Google Street View Gutachten – Institut für Rechtsinformatik

Fixmbr – Warum Google Street View gestoppt werden muss

Focus – Ministerin fordert Google zur mehr Transparenz

Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein – Google Street View

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